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Badekultur

Der Begriff Badekultur bezieht sich auf das Baden in warmem oder kaltem Wasser, das in erster Linie der Reinigung dient, aber auch der Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens. Das Dampfbad, heute zur Sauna gezählt, diente ebenfalls diesem Zweck. Die Ursprünge der europäischen Badekultur liegen in der Antike, als öffentliche Badehäuser auch eine wichtige soziale Funktion hatten. In der Neuzeit ist die Badekultur eng mit der Entstehung von Kurorten mit Thermalquellen sowie Seebädern verbunden.

 

Über private Badezimmer verfügte die große Masse der europäischen Bevölkerung erst ab dem 20. Jahrhundert. Die Bedeutung des Bades in verschiedenen Epochen war immer eng mit den jeweils herrschenden Vorstellungen von Hygiene verknüpft.

 

Mineralbäder, Wildbäder, Jungbrunnen und Kurbäder

Spätestens im Hochmittelalter entdeckte man den Nutzen von Mineralquellen und es entstanden Mineralbäder und erste Kuranstalten. Zu den ältesten deutschen Mineral- und Heilbädern gehören Haßfurt in Unterfranken, Burgbernheim in Bayern, das Wildbad zu Kreuth, Wolkenstein in Sachsen und die Aachener Schwefelquellen, die schon die Römer und Karl der Große schätzte. In Österreich waren Baden bei Wien und Heilbrunn früh bekannt, in der Schweiz Bad Pfäfers, im Riesengebirge Warmbrunn, in Lothringen Plombières-les-Bains. Am beliebtesten waren die natürlichen, mineralisierten warmen und kalten Quellen weitab von der Zivilisation, die auch Wildbad genannt wurden. Manche gerieten in den Ruf, wahre „Wunderbrunnen“ zu sein, und zogen ganze Pilgerscharen von Kranken an, die Heilung suchten. So wurde zum Beispiel um 1550 Bad Pyrmont über Nacht bekannt. Es kamen so viele Gäste, dass die Nahrung im Ort knapp wurde. Dieser Glaube an die „Wunderkur“ hielt in Pyrmont etwa zehn Jahre an, dann ließ der Andrang schlagartig wieder nach. Zu einer Belebung der Badekultur führte im 16. Jahrhundert die Verbreitung des so genannten Jungbrunnenmythos, der auch in zahlreichen zeitgenössischen Darstellungen und Gedichten, u.a. von Lukas Cranach dem Älteren und Hans Sachs Eingang fand. Die früheste schriftliche Erwähnung des Jungbrunnens bereits im Jahr 1177 geht auf einen Priester Johannes zurück, der Kaiser Emanuel von Konstantinopel von einer Quelle unweit des Olymp berichtete, nach deren Genuss man in ein Alter von zweiunddreißig Jahren zurückversetzt werden sollte.

 

In den Kurbädern ging es offenbar genauso gesellig zu wie in den Badehäusern. Ein Italiener berichtete 1417 über den Ort Baden im Kanton Aargau (Schweiz): „In der Morgenfrühe waren die Bäder am beliebtesten. Wer nicht selbst badete, stattete seinen Bekannten Besuche ab. Von den Galerien herab konnte man mit ihnen sprechen und sie an schwimmenden Tischen essen und speisen sehen. Schöne Mädchen baten um 'Almosen', und warf man ihnen Münzen hinab, so breiteten sie die Gewänder aus, die Münzen aufzufangen und dabei ihre Reize zu enthüllen. Blumen schmückten die Oberfläche des Wassers, und oft hallten die Gewölbe wider vom Saitenspiel und Gesang. Mittags an der Tafel ging nach gestilltem Hunger der Becher solange um, wie der Magen den Wein vertrug, oder bis die Pauken und Pfeifen zum Tanze riefen.“

 

Im 16. Jahrhundert gewannen in Deutschland Bad Kissingen, Bad Ems, Bad Schwalbach und Wiesbaden an Bedeutung, in Österreich das Gasteiner Wildbad, Leuk in der Schweiz und Spa in Belgien. In dieser Zeit erschienen mehrere Schriften von Medizinern zur Bedeutung heilender Quellen. Die meisten Kurorte verdienten zu dieser Zeit den Namen „Bad“ allerdings noch nicht, denn sie waren überhaupt nicht auf die Beherbergung großer Gästescharen eingerichtet; auch Kurhäuser waren zu dieser Zeit die Ausnahme. Als 1674 Hans Carl von Thüngen zur Erholung nach Ems kam, bestand der Ort aus wenigen ärmlichen Häusern; die Gäste wurden in Zelten untergebracht. Erst 1715 wurde das Kurhaus erbaut.

 

Gekurt wurde damals nach dem Motto „viel hilft viel“. Die Patienten saßen täglich etwa zehn bis zwölf Stunden im Bad, meist in einem Zuber oder einem so genannten Badekasten – bis die Haut wund war und zu eitern begann. Diese Wirkung, Hautfresser oder Beize genannt, war durchaus erwünscht, denn man glaubte, dass das heilende Wasser nur durch die „offene Haut“ richtig in den Körper eindringen könne.

 

Das englische Bath entwickelte sich im 18. Jahrhundert zum größten Badeort in Europa. Während der Hauptsaison – im Herbst und Winter – kamen damals etwa 8000 Gäste in den Ort. Das lag nicht nur an den heilenden Quellen, sondern nicht zuletzt an dem reichhaltigen Unterhaltungsangebot, das im Laufe der Jahre hier entstanden war. Man beschäftigte sogar einen eigenen Zeremonienmeister, der den Titel „König von Bath“ führte und für den geregelten Ablauf des gesellschaftlichen Lebens zuständig war.

 

Die Aufklärung reformierte auch die Medizin und die Ideen über Gesundheit und Hygiene. Bewegung in der Natur wurde empfohlen. So kam das Baden im Freien in Mode, und zwar nicht nur in warmen Quellen, sondern auch in offenen Gewässern.

 

Im 19. Jahrhundert kam der Aufschwung im böhmischen „Bäderdreieck“ mit Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. 1860 kamen immerhin 10.000 Kurgäste allein nach Karlsbad. Die böhmischen Kurorte gehörten zu den ersten, die Moorbäder einführten, vergleichbar mit Fango. Um 1900 dann galt Wiesbaden als „Weltbad“ mit jährlich rund 136.000 Besuchern, gefolgt von Baden-Baden mit circa 72.000.

 

Um 1900 gab es in Deutschland über 300 Kurorte (ohne Seebäder) mit insgesamt etwa 600.000 Gästen pro Jahr.

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