Talsperren
von Gerhard Muschwitz

 
  Die mächtigen Staumauern der Talsperren und die künstlich geschaffenen Wasserflächen veränderten den Landschaftscharakter in vielfältiger Weise. Oft mußten sogar ganze Ortschaften geräumt werden, die dann in den Fluten versanken. Die neue entstandenen Seen bilden aber nicht nur ein vielfältig nutzbares und notwendiges Wasserreservoir und dienen unter anderem der Trinkwasserversorgung, sie sind - mit gewissen Einschränkungen - auch für die Freizeitnutzung der Bevölkerung freigegeben, weisen Schwimmbäder auf oder bieten den Sportseglern ideale Möglichkeiten.

Talsperre
Der Forggensee, Stausee des Lechs,
nördlich von Füssen
 
  Der Oderteich unweit von St. Andreasberg im Harz, den von 1714 bis 1721 Bergleute anlegten, um für die Bergwerke die nötige Wasserkraft zur Verfügung zu haben, blieb bis 1898 der größte künstliche Stausee Mitteleuropas. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dann entstanden in den niederschlagsreichen deutschen Mittelgebirgen eine Reihe von Stauanlagen oder Talsperren, die nun mit Hilfe moderner Technik ungleich leichter gebaut werden konnten. Diese Talsperren dienten mehrfachen Zwecken: um die häufig auftretenden Überschwemmungen im Vorlande zu verhindern, um Industrie und Menschen mit Wasser zu versorgen, Elektrizität zu gewinnen und schließlich den Flüssen in niederschlagsarmen Zeiten Wasser zuzuführen.
Vor dem Ersten Weltkrieg entstand eine Reihe von Talsperren vor allem für die Versorgung des Ruhrgebietes: so die Ennepe-, die Kerspe- und die Lister- Talsperre.

 

Muß man diese Sperren inzwischen zu den kleineren zählen (zwischen 12 und 22 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen), so wurden mit der Möhne- Talsperre (134,5 Millionen Kubikmeter) und dem Edersee (202 Millionen Kubikmeter), 1913 bzw. 1914 fertiggestellt, Stauanlagen geschaffen, die noch heute zu den größten gehören und deren Staumauern in Höhe und Länge gewaltige Bauwerke sind. Nach einer zehnjährigen Unterbrechung (bedingt durch den Ersten Weltkrieg und seine Folgen) wurde erst ab 1924 der Talsperrenbau fortgesetzt. Neue Sperren wurden dann im Sauerland, im Harz, im östlichen Thüringen und in den Sudeten errichtet. 1932 konnte die am Oberlauf der Saale gebaute Bleiloch- Talsperre eingeweiht werden, die mit 215 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen auch heute noch die größte Stauanlage ist. Neun Jahre später wurde, ungefähr 50 Kilometer unterhalb, die Hohenwarte- Talsperre fertig.
Im niederschlagsreichen Harz entstanden zunächst einige kleinere Sperren, so die Oder- Talsperre (1934), zuvor die Söse- (1932), dann die Ecker- Talsperre (1942).

 

  Talsperre
Staumauer der
Oker-Talsperre
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Eifel die größte Talsperre der damaligen Bundesrepublik, die Schwammenauel (205 Millionen Kubikmeter) fertiggestellt. Im selben Jahr (1959) konnte die damalige DDR die Rappbode- Talsperre im Harz in Betrieb nehmen. Verhältnismäßig wenig Talsperren gibt es im Süden Deutschlands; als größte sind hier der Forggensee des Lechs, der Schluchsee im Schwarzwald und der Sylvensteinsee der Isar zu nennen.
 
Talsperre
Eder-Talsperre
und Schloß Waldeck
 
  Talsperre
Innerste-Stausee
im Harz
 

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