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Altsteinzeit
Nach dem Rückfluß der Schmelzwässer der letzten Eiszeit vor etwa 170.000
Jahren dringen vermutlich nomadisierende Jäger und Sammler in das
untere Urstromtal der Elbe ein.
Erst für das vierte vorchristliche Jahrhundert lassen sich Spuren fester
Besiedlung nachweisen.
Zeit der Völkerwanderung
Vom vierten bis zum sechsten nachchristlichen Jahrhundert ist der nordelbische Raum weitgehend von Sachsen bevölkert.
Belege für eine Besiedlung durch nordalbingische Sachsen auf dem
Geestrücken oberhalb der Mündung der Alster in die Elbe Hamburg gehen
bis ins 4. Jh. n.Chr. zurück; die ältesten bisher gefundenen Baureste
werden ins 5. bis 6. Jh. datiert.
9. Jahrhundert
Zu Beginn des 9. Jh.s unterwerfen die Franken unter Karl dem Großen (mit
Einsatz der slawischen Obotriten) die Sachsen und dringen nordwärts bis
zur Elbe vor. Sie legen vermutlich zwischen 808 und 834 bei dem bereits
befestigten altsächsischen Dorf Hamm (vielleicht von ham = Hemmnis im
Gelände, Uferzone, Marschland; vgl. Stadtteil Hamm am Übergang von
Geest und Marsch) nahe der damaligen Alstermündung (heute Domplatz)
eine wallumzogene Burganlage als Stützpunkt für die Missionierung des
heidnischen Nordens (Schleswig-Holstein, Dänemark, Skandinavien) an,
deren Name erstmals 832 als Hammaburg dokumentiert ist.
lm Jahre 831 stiftet Kaiser Ludwig der Fromme ein Bistum Hamburg, das
Papst Gregor IV. schon 832 zum Erzbistum erhebt. Erster Erzbischof wird
der später heiliggesprochene Benediktinermönch und Missionar Ansgar
(Anschar; Apostel des Nordens), dessen Amtszeit in Hamburg jedoch nur
von kurzer Dauer ist; denn schon 845 dringen dänische Wikinger auf der
Elbe in den Hamburger Raum vor und zerstören die Wallfestung Hammaburg
mit der ersten Domkirche, so daß Ansgar nach Bremen ausweichen
muß. Das dort 848 errichtete Erzbistum heißt nun Hamburg-Bremen.
10. Jahrhundert
Die vom Wikingereinfall weniger betroffene Siedlung entwickelt sich fort,
wenngleich sie 915 einen Überfall der slawischen Obotriten über sich
ergehen lassen muß. Erzbischof Adaldag (937-988) kann das Erzbistum
Hamburg wiederherstellen, baut Burg und Siedlung, wo Handwerker und
Händler ansässig geworden sind, weiter aus und verleiht das Marktrecht.
Sogar einen Papst sieht Hamburg Mitte des10. Jh.s in seinen Mauern: Der
abgesetzte Benedikt V. findet bis zu seinem Tod (966) hier Zuflucht und
wird im Chor des Mariendoms begraben, bis seine Gebeine 999 nach Rom
übergeführt werden.
Um 950 zählt Hamburg etwa 500 Einwohner. Im Jahre 966 überträgt der
deutsche König und sächsische Herzog Otto I. dem Sachsen Hermann
Billung die weltliche Herrschaft, der jedoch nicht verhindern kann, daß die
Obotriten 983 die sich allmählich entfaltende Handelssiedlung (samt
Kirche und Schule) abermals zerstören.
11. Jahrhundert
Aus der sich bildenden Rivalität zwischen geistlicher und weltlicher Macht
läßt sich Erzbischof Bezelin Alebrand um 1035 einen Wohnturm bauen, der
als Steinernes Haus (Fundamente nahe der heutigen Petrikirche konserviert)
überliefert ist und den ältesten bekannten Profanbau aus Stein
nördlich der Elbe darstellt. Um 1045 zieht der Billunger Bernhard II. mit einer
Turmburg nach, die außerhalb der Burgumwallung in der Alstermarsch (an
der Südspitze des heutigen Rathausmarktes) errichtet und später
Alsterburg genannt wird. Die 1061 entstandene Neue Burg (im Bereich des
heutigen Hopfenmarktes) geht auf Bernhards Sohn Ordulf zurück.
Um die Mitte des 11. Jahrhunderts - Hamburg zählt jetzt etwa 800-900
Einwohner (etwa zur einen Hälfte Geistliche, zur anderen Bürger) - beginnt
ein städtisches Gemeinwesen unter einem erzbischöflichen Vogt zu
entstehen. Zu Zeiten des Erzbischofs Adalbert (1043-1072) wird Hamburg
noch einmal zum Zentrum der christlichen Mission und nimmt zugleich
Handelsbeziehungen nach Norden und Osten bis nach Island, Grönland
und Finnland auf. Nach den erneuten Zerstörungen und Besetzungen
durch die slawischen Obotriten in den Jahren 1066 und 1072 war es dann
mit der kirchlichen Vormachtstellung Hamburgs endgültig vorbei; die Erzbischöfe müssen Hamburg verlassen und residieren fortan nur noch in
Bremen.
12. Jahrhundert
Nach dem Aussterben der sächsischen Billunger (1106) wird Graf Adolf I.
von Schauenburg (bei Rinteln an der Weser) im Jahre 1111 von dem sächsischen
Herzog Lothar, dem nachmaligen Kaiser Lothar III., mit den Grafschaften Holstein,
Wagrien und Stormarn, zu der auch Hamburg gehört,
belehnt.
Unter der segensreichen Herrschaft der Schauenburger Grafen (Adolf I.:
1111-1130; Adolf II.: 1130-1164; Adolf III.: 1164-1203) nimmt Hamburg
neuen, beträchtlichen Aufschwung.
Die Elbmarschen und die südwestlich vorgelagerten Elbinseln werden
eingedeicht und besiedelt. Neben der erzbischöflichen Altstadt entsteht
westlich vom Nikolaifleet (1124 erster Alsterstau für eine Kornmühle am
Großen Burstah) im Bereich der Neuen Burg die von Adolf III. für Schiffer
und Kaufleute gegründete gräfliche Neustadt, der Kaiser Friedrich
Barbarossa am 7. Mai 1189 neben anderen Privilegien Zollfreiheit für Handel und
Schifffahrt auf der Niederelbe gewährt haben soll.
In Ermangelung einer authentischen Urkunde wurde um 1265 der noch
heute vorhandene und vermutlich auch inhaltlich verfälschte Barbarossa-Freibrief
ausgefertigt.
Die Abwesenheit des Grafen Adolf III., der am Dritten Kreuzzug teilnimmt,
nutzen die Hamburger Bürger, um sich von gräflicher Bevormundung zu
befreien. Die beiden Stadtteile - die bischöfliche Altstadt und die gräfliche
Neustadt (zusammen 1000-1500 Einwohner) - wählen 1190 einen aristokratischen Rat,
und um 1200 werden zwei Rathäuser errichtet.
13. Jahrhundert
Im Jahre 1201 überfällt der dänische Herzog Waldemar II. Hamburg und
nimmt den Schauenburger Grafen Adolf III. gefangen. Die Dänen besetzen
die Stadt und das Umland; 1214 tritt der Stauferkönig Friedrich II. das
deutsche Gebiet nördlich der Elbe an das mit ihm gegen die Welfen
verbündete Königreich Dänemark ab; Hamburg wird einem dänischen
Statthalter unterstellt.
Während der bis 1227 bestehenden Dänenherrschaft schließen sich die
beiden bisher bestehenden Hamburger Stadtteile eng zusammen: Ab
1216 hat die vereinte Stadt nurmehr einen Rat, ein Rathaus und ein Gericht
mit eigener Rechtsprechung.
Ein Koalitionsheer deutscher Fürsten, darunter auch der Schauenburger
Graf Adolf IV. und Hamburger Bürger, besiegt die Dänen in der Schlacht
von Bornhöved (östlich von Neumünster) am 22. Juli 1227 vernichtend;
dieser Sieg beendet das dänische Interregnum in Hamburg.
In der Ära des gottesfürchtigen Grafen Adolf IV. - er stiftet noch 1227
Hamburgs erstes Kloster, das St.-Maria-Magdalenen-Franziskanerkloster
(an der Stelle der heutigen Börse; 1837 abgebrochen) und zieht sich
schließlich 1239 selbst als Mönch in dieses zurück - erhält die Stadt
weitgehende Selbstverwaltung und wird beträchtlich vergrößert. Handel und
Gewerbe (u.a. die Bierbrauerei) beginnen nun, vor allem aufgrund von
Barbarossas Freibrief, aufzublühen; die ersten Kaufmannsgilden
und auswärtigen Handelshäuser werden gegründet. Ab 1240 legt man eine neue
Befestigungslinie an mit Mauern, Gräben und Toren, wie sie heute noch in
manchen Straßennamen fortleben (Lange Mühren, Kurze Mühren,
Steintor, Alstertor u.a.); um 1250 umgibt die neue Stadtmauerfast das gesamte
Gebiet der heutigen Altstadt; es entstehen mehrere Klöster und Spitäler.
lm Jahre 1270 treten die zivil-, straf- und prozeßrechtlichen Bestimmungen
des durch Jordan von Boizenburg geschaffenen Ordeelbook
(Urteilbuch) in Kraft. Am 5. August 1284 sucht eine verheerende Brandkatastrophe
die Stadt und ihre damals etwa 5000 Einwohner heim. Ab
1292 hat der Rat gesetzgebende Gewalt.
14. Jahrhundert
Mit dem Beitritt zum Kaufmanns- und späteren Handelsstädtebund der
Hanse (von althochdeutsch hansa = Schar, Gemeinschaft) erreicht die
Entwicklung Hamburgs einen Höhepunkt: Als Nordseehafen für das damals
mächtige Lübeck (Endpunkt der wichtigen alten Salzstraße von
Lüneburg) wird Hamburg zum wichtigsten Umschlagplatz im Verkehr zu
den Ländern im Westen und für das Binnenland an der Elbe.
Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts erwirbt die Hansestadt (jetzt mit ca.
7500 Einwohnern) nacheinander die Ortschaften Moorburg, Hammerbrook, Horn, Billhorn,
Boizenwerder, Hamm, Ochsenwerder, Moorwerder,
Billwerder, Finkenwerder, Altenwerder, Kattwyk und Griesenwerder, ferner
Eimsbüttel, Langenhorn, Klein-Borstel, Fuhlsbüttel, Eilbek und Borgfelde.
Im Jahre 1394 wird das Elbmündungsgebiet mit dem Schloß und
Amt Ritzebüttel (heute ein Teil von Cuxhaven) gewaltsam einverleibt, nachdem
die dort residierende Familie von Lappe dem zunehmenden Seeräuberunwesen nicht entgegenwirkte.
15. Jahrhundert
Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts werden die Raubzüge der zunächst
im Ostseeraum aktiven Vitalienbrüder (oder Viktualienbrüder, später
Likedeeler = Gleichverteiler) mit ihren Anführern Klaus (Clas) Störtebeker
und Godeke Michels (Gödeke Michaels) auch für den Hamburger Handel
existenzbedrohend. Die Hansestadt entschließt sich daher, eine eigene
Kriegsflotte auszurüsten, um gegen die Seeräuber in der Deutschen Bucht
der Nordsee vorzugehen. Im Jahre 1400 kann sie Störtebeker vor der
Felseninsel Helgoland gefangennehmen; er wird noch im Oktober desselben Jahres auf dem
Hamburger Grasbrook enthauptet (an der Hinrichtungsstätte heute ein Denkmal);
1401 kann auch Godeke Michels gestellt
werden und erleidet mit über 70 seiner Piraten ebenfalls auf dem Grasbrook den
gewaltsamen Tod durch Enthaupten.
Nach langjährigen Auseinandersetzungen mit dem Herzog Erich von
Sachsen- Lauenburg- Ratzeburg nehmen die beiden freundschaftlich verbundenen
Hansestädte Lübeck und Hamburg im Jahre 1420 (Frieden von
Perleberg) Bergedorf, die Vierlande, Geesthacht und Zollenspiekerein und
verwalten sie fortan gemeinsam (beiderstädtische Verwaltung bis 1867).
Damit erreicht das Hamburger Stadtgebiet jetzt bereits jene Ausdehnung,
die es vor dem Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes von 1937 hat.
Mit dem Tode des kinderlos verstorbenen Adolf VIII. erlischt im Jahre 1459
die Hauptlinie des Schauenburger Grafengeschlechtes, und Hamburg
(damals mit ca. 15000 Einwohnern) kommt erneut unter dänische Oberhoheit
(formal bis 1768). Es gelingt jedoch dem hamburgischen Bürgermeister
Detlev Bremer, den Huldigungseid zu vermeiden und die bisher
erworbenene Privilegien zu sichern. So ist Hamburg als Teil des Landes
Stormarn zwar eine Stadt in Holstein, kann jedoch innen und außen
beinahe unabhängig handeln.
16. Jahrhundert
Auf dem Augsburger Reichstag von 1510 erhebt Kaiser Maximilian I.
Hamburg in den Rang einer Reichsstadt; damit untersteht es unmittelbar
dem Kaiser, was für das nach wie vor gespannte Verhältnis zu Dänemark
wichtig wird.
Mit der Gefangennahme und Hinrichtung (in Hamburg) des Piraten und
dänischen Admiral Klaus Kniphof im Jahre 1525 kann die Gefahr der
Seeräuberei im Nordseeraum endgültig gebannt werden.
Zunächst gegen den erklärten Willen des Hamburger Rates verbreiten
Prediger die durch Luthers Thesen von 1517 bekannt gewordenen neuen
Lehren der Reformation. In einer öffentlichen Disputation im Rathaus
zwischen evangelischen und katholischen Geistlichen setzt sich der neue
Glaube durch. Durch Luthers Freund, den von der pommerschen Ostseeinsel
Wollin stammenden Theologen und Reformator des Nordens
Johann Bugenhagen (1485-1558), den der Rat aus Wittenberg herbittet,
erhält Hamburg im Jahre 1529 seine erste evangelische Kirchenordnung
(mit einem Superintendenten an der Spitze); im gleichen Zuge erneuert
man das Schulwesen. ln dem 1546 ausbrechenden Schmalkaldischen
Krieg erweist sich die Hansestadt als Vorkämpferin des Protestantismus
im Norden, bis der Augsburger Frieden von 1555 ein Nebeneinanderleben
beider Bekenntnisse ermöglicht.
Als Folge der Religionskriege in den spanischen Niederlanden flüchten
viele lutherische und kalvinistische Holländer nach Hamburg, so daß sich
die Einwohnerzahl von 1550 bis 1600 auf 40000 verdoppelt. Durch die
Aufnahme der Glaubensflüchtlinge sowie von zahlreichen Juden aus
Spanien, Portugal und Teilen Deutschlands, aber auch durch die Niederlassung
englischer Kaufleute in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
erfährt Hamburg auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet eine intensive Belebung.
Mit den großen Entdeckungen gegen Ende des 15. Jahrhunderts haben
sich auch die Handelsinteressen Hamburgs von Ostsee und Mittelmeer in
Richtung Atlantischer Ozean verlagert. Durch die Regulierung der Norderelbe wird
aus der Alsterstadt eine Elbstadt mit leichtem Zugang zur Nordsee und damit zum
Atlantik. Nach dem Verfall der Hanse sucht Hamburg
nun dort seine Chancen: Seine Schiffe bringen die Schätze der Neuen Welt
in viele Länder Europas; Ende des 16. Jahrhunderts ist Hamburg aberauch
der wichtigste Hafen für die Getreideausfuhr nach West- und Nordeuropa
sowie nach ltalien. Der Elbstrom wird Hamburgs Lebensader; ab 1607
leiten Lotsen die Schiffe.
17. Jahrhundert
Ausdruck des Aufstieges Hamburgs zu einem bedeutenden europäischen
Handelsplatz, dem im Jahre 1618 vom Reichskammergericht die Reichsunmittelbarkeit
bestätigt wird, ist die gänzliche Neubefestigung der Stadt
in den Jahren 1616-1625, die im Zuge der heutigen Wallanlagen Binnenalster und
Neustadt einbeziehen und die Schrecken des Dreißigjährigen
Krieges (1616-1648) abzuwehren vermögen (erfolglose Belagerung).
Hamburg und Dänemark geraten immer wieder in Gegensätze. Versucht
der Dänenkönig Christian IV. mit der Gründung von Glückstadt (1616) die
Elbschiffahrt zu kontrollieren (was nicht gelingt), so geht sein Nachfolger
Friedrich III. daran, das erstmals 1535 als Fischerdorf erwähnte Altona als
Konkurrenz zu Hamburg zu fördern: Im Jahre 1664 macht es der Dänenkönig
zur Stadt und zum ersten Freihafen Nordeuropas.
Die Hamburger befestigen daraufhin ihre Vorstädte St. Georg und das spätere
St. Pauli mit dem Neuen Werk von der Alster bis zur Bille. Christian V.
benutzt 1686 eine Uneinigkeit in Hamburg, um drohend mit seinem Heer
vor den Toren der Stadt zu erscheinen. Die Belagerung kann jedoch mit
Hilfe welfischer und brandenburgischer Truppen letztlich abgewiesen
werden.
Die das ganze 17. Jahrhundert erfüllenden inneren Streitigkeiten zwischen
Rat und Bürgerschaft enden erst 1712 durch kaiserliche Vermittlung mit
einer neuen Verfassung, durch die beide gleichberechtigt werden.
18. Jahrhundert
Nachdem die Auseinandersetzungen mit den Dänen nicht aufhören, wird
schließlich 1768 zwischen Hamburg und dem Haus Holstein der sogenannte
Gottorper Vergleich geschlossen: Hamburg verzichtet auf die
Rückzahlung von dänischen Anleihen und wird endgültig auch von den
Dänen als von Holstein unabhängige Kaiserlich Freye Reichsstadt
anerkannt. Außerdem erhält Hamburg die für seinen Hafenausbau
wichtigen Elbinseln zwischen Billwerder und Finkenwerder.
Um diese Zeit beginnt Hamburg, auch selbst Handel und Schiffahrt nach
Übersee aufzunehmen, was bisher allein den Kolonialmächten vorbehalten war.
Infolge der Französischen Revolution kommt seit 1792 ein
großer Teil des französischen und des niederländischen Handels nach
Hamburg, wo zahlreiche in ihrer Heimat verfolgte Franzosen der nun etwa
130.000 Einwohner zählenden Stadt eine neue Note verleihen.
19. Jahrhundert
Im Rahmen der Säkularisierungmaßnahmen gemäß dem
Reichsdeputationshauptschluß des Jahres 1803 wird der Stadt der
Kirchenbesitz zugesprochen; 1804-1807 wird der baufällige Mariendom abgebrochen.
Mit dem Ende des alten Deutschen Reiches erlangt Hamburg im Jahre
1806 seine volle Souveränität und nennt sich nunmehr Freie Hansestadt.
Wenige Monate später rücken jedoch französische Truppen nach ihren
Siegen bei Jena und Auerstedt in Hamburg ein. Die durch Napoleon verhängte
Kontinentalsperre, die jeglichen Verkehr mit Großbritannien unterbindet,
trifft die Handelsstadt hart. Im Jahre 1810 wird die Freie Hansestadt dem
französischen Kaiserreich einverleibt und erleidet während der
Besatzungszeit (bis 1814) einen verheerenden Niedergang.
Nach einem Bürgeraufstand im Februar 1813 - besonders verhaßt waren
die französischen Zöllner - und kurzem, von der Bevölkerung bejubelten
Entsatz durch russische Truppen unter dem Kosakenoberst Friedrich Karl
von Tettenborn (einem gebürtigen Badener) im März 1813 läßt der
französische Marschall Louis Nicolas Davout die Festung ausbauen und die
Vorstädte in Trümmer legen, um freies Schußfeld zu haben; mit Ausnahme der
Michaeliskirche werden alle großen Gotteshäuser der Stadt als Magazinlager
oder Pferdeställe profaniert. In der Christnacht 1813 werden mehrere
Tausend Einwohner, die keine für sechs Monate genügende Bevorratung
nachweisen können, vertrieben und von der (dänischen!) Nachbarstadt
Altona aufgenommen. Der Sturz Napoleons zwingt die Franzosen schließlich
zum Abzug; die letzten französischen Besatzungstruppen verlassen
Hamburg am 30. Mai 1814. Gemeinwesen und Handel der Hansestadt
sind gründlich ruiniert, die Einwohnerzahl ist von rund 130000 im Jahre
1800 auf etwa 100000 zurückgegangen.
Der Wiener Kongreß (1815) garantiert die Souveränität Hamburgs, das nun
dem Deutschen Bund beitritt; ab 1819 nennt sich Hamburg Freie und Hansestadt.
In den folgenden Jahrzehnten sind die Hamburger tatkräftig
mit dem Wiederaufbau ihrer Stadt beschäftigt. Die Befestigungen werden
abgetragen und zu öffentlichen Parkanlagen umgestaltet; 1841 erfolgt die
Eröffnung der neuen Börse und die Inbetriebnahme der ersten Omnibuslinie
zwischen Hamburg und Altona.
Der Große Brand vom 5. bis 8. Mai 1842, der etwa ein Drittel der Innenstadt
verwüstet (ca. 20000 Obdachlose, 4200 Wohnungen zerstört), unterbricht
die fortschreitende Entwicklung nur kurzfristig: Der Wiederaufbau wird
systematisch vorangetrieben; den wirtschaftlichen Aufstieg begünstigen
der Bau der ersten Eisenbahnlinien (1842 nach Bergedorf; 1844 Ostseebahn
[von Altona] nach Kiel, 1846 nach Berlin) sowie das Aufkommen der
Dampfschiffahrt (schon 1816 ist das erste Dampfschiff [aus England] nach
Hamburg gekommen; 1847 Gründung der Hamburg-Amerikanischen
Packetfahrt-Actien-Gesellschaft HAPAG). Hamburg wird nun auch zu
einem Schwerpunkt der deutschen Industrie, seine Dampfschiffe befahren
die Weltmeere. Seit 1859 verkehren Dampfboote auf der Alster, seit 1866
Pferdebahnen auf Hamburgs Straßen.
Die 1848 entbrannten Verfassungskämpfe führen zu der neuen hamburgischen
Verfassung von 1860, im Rahmen derer u.a. das Obergericht von
dem nun offiziell als Senat bezeichneten Rat getrennt wird. Nach dem
Ende des deutsch-dänischen Krieges (1866) tritt Hamburg 1867 in den
Norddeutschen Bund ein, in dem Preußen eine führende Rolle spielt; im
gleichen Jahr kann es den Lübecker Anteil an Bergedorf, den Vierlanden,
Geesthacht und Zollenspieker käuflich erwerben.
Mit dem Beitritt zum Norddeutschen Bund verzichtet die Freie und Hansestadt zwar
auf eine selbständige Außenpolitik und gewisse Privilegien (z. B.
das Führen der hamburgischen Flagge in der Schiffahrt), erhält aber für
seinen Welthandel endlich den so oft entbehrten Rückhalt und Schutz.
Nachdem Hamburg dem Deutschen Zollverein von 1834 nicht beigetreten
ist, bleibt es mit seinen neu gebauten Hafenanlagen zunächst noch
Zollausschlußgebiet, bis im Jahre 1888 der Zollanschluß an das 1871
geschaffene neue Deutsche Reich und die gleichzeitige Einrichtung des den internationalen
Handel in höchstem Maße fördernden Freihafens erfolgt (Bau
der Speicherstadt).
Die wider alle Erwartungen günstigen Folgen dieses Anschlusses führen
zu immer neuen Erweiterungen des Hafens und lassen Hamburg zum
größten Hafen des Deutschen Reiches (Deutschlands Tor zur Welt) aufsteigen.
Der Schwung der Gründerjahre erfaßt auch die Hansestadt, in der
neben Handel und Schiffahrt (Albert Ballin: Mein Feld ist die Welt.) nicht
zuletzt Schiffbau und Industrie wachsen. Einen schmerzlichen Rückschlag
verursacht eine Cholera-Epidemie, die im Sommer 1892 über 8600 Menschenleben
fordert. Doch schon 1897 wird das neue Rathaus als stolzes
Zeugnis hanseatischen Selbstbewußtseins feierlich eingeweiht.
20. Jahrhundert
Am 15. September 1900 wird das an der Kirchenallee neu erbaute
Deutsche Schauspielhaus mit der Aufführung von Goethes Drama
lphigenie auf Tauris eröffnet.
Im Jahre 1912 steht Hamburg mit seinem seewärtigen Güterumschlag
nach London und New York an dritter Stelle in der Rangordnung der
größten Welthäfen; im gleichen Jahr werden erstmals auf der Erde in
Hamburg Taxirufsäulen aufgestellt. Anfang 1913 zählt die Hansestadt rund eine
Million Einwohner.
Erster Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) verliert Hamburg 40.000 ihrer Söhne, die
Handelsblockade schneidet sie vom Weltverkehr ab. Einen schweren
Schlag vesetzt ihr dann die im Versailler Vertrag geforderte Ablieferung fast
der gesamten Handelsflotte.
Doch rasch und unverzagt wird auch jetzt wieder mit der Wiederbelebung
der Wirtschaft sowie der Neuschaffung einer Handelsflotte begonnen; der
Anschluß an die einstige freihändlerische Tradition kann jedoch nicht
wiedergewonnen werden.
Am 24. März 1919 eröffnet die prominente Frauenrechtlerin Helene Lange
das erste demokratisch gewählte Parlament Hamburgs (Bürgerschaft mit
absoluter Mehrheit der SPD). Nach langem Widerstand seitens der
Bürgerschaft wird im gleichen Jahr die Universität Hamburg gegründet.
Am 9. Januar 1921 wird eine neue parlamentarisch-demokratische Verfassung verkündet.
Ende Oktober 1923 gelingt es der Polizei, einen von
dem Hamburger Kommunistenführer Ernst Thälmann organisierten
Putschversuch niederzuschlagen.
In den zwanziger Jahren entstehen die monumentalen Klinkerbauten des
Kontorhausviertels; 1924 nimmt die Norddeutsche Rundfunk AG (NORAG)
ihren Programmsendebetrieb auf.
Nationalsozialistisches Drittes Reich
Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, werden die deutschen
Länder dem Reich gleichgeschaltet. Hamburg erhält die offizielle
Bezeichnung Hansestadt Hamburg; der seit 1819 im Namen geführte
Zusatz "Freie und ..." wird gestrichen.
Die neuen Machthaber lösen die Hamburger Bürgerschaft auf und setzen
einen Reichsstatthalter (Gauleiter Karl Kaufmann) ein, der 1936 auch die
Führung der Hamburger Landesregierung übernimmt.
Immerhin kann Hamburg während der Zeit der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft seine gewachsene Eigenart besser bewahren als andere
deutsche Länder. Zur Niederdeutschen Gartenschau Planten un Blomen
(= Pflanzen und Blumen) wird ein Teil der einstmaligen Befestigungsanlagen des
Wallringes zu einem großen Gartenpark ausgestaltet.
Das Groß-Hamburg-Gesetz vom 1. April 1937 gliedert der Hansestadt
die längst mit ihr zusammengewachsenen preußischen Nachbarstädte
Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg sowie 28 Randgemeinden ein,
während die Städte Cuxhaven (das alte Amt Ritzebüttel;
die Hafenverwaltung bleibt bis 1991 in Hamburger Hand), Geesthacht und etliche kleinere
Orte abgetrennt werden.
Am Abend des 9. November 1938 tobt wie allenthalben im nationalsozialistischen
Deutschen Reich auch in Hamburg das Judenpogrom der
"Reichskristallnacht", wobei die Synagogen zwar nicht niedergebrannt,
aber innen demoliert werden; die größte, 1906 eingeweihte am Bornplatz
(heute Joseph-Carlebach-Platz, im Univiertel) wird 1939 abgerissen.
lm Mai 1939 hat Groß-Hamburg knapp 1,7 Mio. Einwohner.
Zweiter Weltkrieg
Im verheerenden Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wird Hamburg ab 1940
von zahlreichen britischen und US-amerikanischen Luftangriffen -
die folgenschwersten Ende Juli 1943 lösten einen wahren Feuersturm aus -
schwer getroffen und zu großen Teilen zerstört: annähernd 50%
der Wohnungen, 80% der Hafenanlagen sind vernichtet, ebenso die Handelsflotte
und 40% der Industrie. Schätzungsweise 45.000 Menschen finden bei den
Bombenangriffen den Tod; etwa 70.000 Hamburger fallen als Soldaten an
der Front. Im Konzentrationslager Neuengamme und den zugehörigen KZ-
Außenlagern werden zwischen 40.000 und 55.000 Häftlinge zu Tode gebracht.
Am 3. Mai 1945 kapituliert Hamburg; die 7. britische Panzerdivision
besetzt die weithin in Schutt und Asche liegende Stadt, deren Elbbrücken
jedoch intakt geblieben sind. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf nur noch
1,1 Millionen.
Frühe Nachkriegszeit
Die ersten Jahre der Nachkriegszeit sind geprägt vom Wiederaufbau der
verwüsteten Stadt (man schätzt die Menge des im Stadtgebiet liegenden
Trümmerschutts auf 43 Mio. m³), die zudem durch die Teilung Deutschlands
ihres mittel- und ostdeutschen Hinterlandes beraubt ist.
Die britische Militärverwaltung setzt zunächst eine neue Bürgerschaft ein.
Am 13. Oktober 1946 finden in Hamburg die ersten freien Parlamentswahlen seit 1932 statt:
Aus ihnen, die nach dem von der britischen Besatzungsmacht vorgeschriebenen
Mehrheitswahlrecht durchgeführt werden,
geht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) mit überwältigender
Mehrheit als Sieger hervor; neuer Erster Bürgermeister wird
Max Brauer. Die zweite, 1949 nach Anderung des Wahlmodus gewählte
Bürgerschaft beschließt am 6. Juni 1952 die bis heute gültige Verfassung
der Freien und Hansestadt Hamburg, die seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland
(1949) ein selbständiges deutsches Bundesland ist.
Flutkatastrophe 1962
In der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962 werden die deutsche Nordseeküste und Hamburg
von einer Sturmflut heimgesucht, wie man sie seit
Jahrhunderten nicht mehr erlebt hat. Die Flutwelle erreicht im Hamburger
Raum eine Höhe von 5,73 m über NN (mittleres Tidehochwasser MTh =
1,70 über NN) und übertrifft damit noch jene des Jahres 1825 um 0,49 m.
Zuvor hat ein Nordwestorkan mit Windstärke 12 und mehr während zwei
Tagen und Nächten dieWassermassen der Nordsee in die Deutsche Bucht
und Unterelbe getrieben, was in der Katastrophennacht zur Uberflutung
der Deiche führt, die allein in Hamburg an etwa 60 Stellen brechen.
Am schwersten betroffen und z.T. meterhoch unter Wasser gesetzt wird
das gesamte Gebiet zwischen Norderelbe und Süderelbe mit den Stadtteilen
Wilhelmsburg und Finkenwerder, fernerdie hamburgischen Teile des
Alten Landes zwischen Cranz und Moorburg sowie Neuland und Billwerder-Moorfleet,
während die übrigen Vier- und Marschlande im wesentlichen
verschont bleiben. Nahezu 150000 Menschen sind tagelang vom
Wasser eingeschlossen, 17000 müssen unter Einsatz von Sturmbooten
und Hubschraubern evakuiert werden. An den Rettungsaktionen sind
die Bundeswehr und verbündete Truppen (ca. 8.000 Soldaten; u.v.a.
80 Helikopter), Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz und Technischer Notdienst
sowie weitere Hilfsorganisationen und viele Freiwillige beteiligt.
Straßen, Autobahn und Eisenbahn zwischen Norderelbe und Harburg
stehen tagelang unter Wasser, so daß der gesamte Nord-Süd-Durchgangsverkehr
in Hamburg unterbrochen ist und behelfsmäßig über die
Lauenburger Elbbrücke umgeleitet werden muß. Die Flutkatastophe
fordert das Leben von 315 Menschen und etwa 2.000 Stück Großvieh;
annähernd 1.700 Wohnungen sind zerstört. Der Gesamtsachschaden wird
auf über 1 Mrd. DM geschätzt.
1964
Hamburg erreicht mit 1,9 Mio. Einwohnern seine bisher höchste Bevölkerungszahl.
1973
Wie schon in den Jahren 1953 und 1963 wird in Hamburg 1973 die Internationale Gartenbau-Ausstellung
(IGA) veranstaltet, und im Park Planten un Blomen
nimmt das Congress Centrum Hamburg seinen Betrieb auf.
Im Jahre 1974 wird die die beiden Freihafenteile verbindende Köhlbrandhochbrücke dem
Verkehr übergeben; 1975 erfolgt die Inbetriebnahme des
Neuen Elbtunnels für die Autobahn A 7.
Der den Hafenbetrieb zunehmend bestimmende Containerverkehrerreicht
1980 über 30% und macht 1986 bereits 55 % des gesamten Stückgutumschlages aus.
Nach dem Einzug der Grün-Alternativen Liste (GAL) in die Bürgerschaft
erlahmt die politische Handlungsfähigkeit zunehmend (Hamburger Verhältnisse).
Erst die Neuwahlen des Jahres 1987, aus denen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands
(SPD) gestärkt hervorgeht, bringen
wieder klarere Mehrheitsverhältnisse (Koalition mit der F.D.P.).
1989
Hamburg begeht 1989 mit einer großen Anzahl von über das ganze Jahr
verteilten Feierlichkeiten und Veranstaltungen seinen 800. Hafengeburtstag
(Freibrief Barbarossas vom 7. Mai 1189).
Infolge der umwälzenden Ereignisse in den bislang sozialistisch regierten
Staaten Osteuropas, besonders aber nach der friedlichen Revolution in
der DDR (ab Herbst 1989) und der Öffnung der innerdeutschen Grenzen
(9.11.1989) kann sich auch die traditionell handelsfreudige Freie und
Hansestadt Hamburg nun wieder ungehindert nach Osten orientieren.
1990, Hamburg im geeinten Deutschland
Die Vereinigung der bisherigen Deutschen Demokratischen Republik mit
der Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 eröffnet auch dem
Land Hamburg neue Perspektiven: Ihm erschließt sich erneut sein Hinterland
in Ost- und Mitteldeutschland, von dem es durch den Eisernen Vorhang mehr als
vier Jahrzehnte lang abgeschnitten war.
1991
Bei den Bürgerschaftswahlen am 2. Juni erreicht die SPD knapp die absolute Mehrheit
der Abgeordnetensitze (61 von insgesamt 121); bei einer
Beteiligung von nur 66,1% der insgesamt 1256123 Wahlberechtigten
entfallen 48% der abgegebenen Stimmen auf die SPD, 35,1% auf die
CDU (44 Sitze), 7,2% auf die Grünen/GAL (9 Sitze) und 5,4% auf die
F.D.P. (7 Sitze).
1993
Im Februar und März zeigen über 200 internationale Künstler auf der
spektakulären Mediale, Hamburgs erstem Multi-Media-Festival, wie moderne
Kommunikationsmittel in Kunst und Wirtschaft genutzt werden.
1994
Hamburg wird Bischofssitz des neuen Nordbistums aus Schleswig-
Holstein, Hamburg und Mecklenburg.
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