1356 erhebt Ruprecht I. die schon 1235 erwähnte romanische
Stadtpfarrkirche St. Ägidius zu einer Kollegiatsstiftskirche und vollzieht
damit den Willen seines Bruders Rudolf II., der als Gründer der Stiftskirche
anzusehen ist. Der Baubeginn fällt in das Jahr 1368. Sie wurde als
Begräbniskirche errichtet, in der von Weltpriestern der Angehörigen
der Familien gedacht werden sollte, wie dies Gräber und Grabsteine im Innern
der Kirche belegen. Auch Rudolf II. und Ruprecht I. sowie deren Ehefrauen
wurden hier begraben.
Die Stiftskirche wurde nicht nur durch die Jahrhunderte zum Wahrzeichen der Stadt, sie
gilt auch als ein bedeutendes Kirchenbauwerk der Pfalz. Dem Auge des Betrachters bietet
sie sich als dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika mit auffallend
langgestrecktem, fünfjochigem, einschiffigen Chor mit dreiseitigem Schluß
dar. Der ursprüngliche Bau war in drei Teile gegliedert, und zwar den Stiftschor, den
Pfarrchor und in ein basilikales dreischiffiges Langhaus.
1566 hob Kurfürst Friedrich III. das Stift auf und überließ die Kirche den
Reformierten, welche das Inventar der Kirche samt dem Reliquienschatz
zerstörten. Von nun an wurde die Kirche mal der einen, mal der anderen
Konfession zugewiesen, je nach Gesinnung des Kurfürsten. Die Streitigkeiten
zwischen den Konfessionen waren endlos. Aufgrund dieser Streitigkeiten wurde
1714 eine endgültige Trennmauer errichtet, die auf der 1705
erlassenen Religionsdeklaration basiert, nach der Religionsfreiheit gewährt
und bei simultaner/gemeinsamer Nutzung der Kirche von zwei oder mehreren Konfessionen
der Chor und das Schiff durch eine Trennmauer abgeteilt werden
und getrennte Zugänge vorhanden sein mußten. Heutiges Erscheinungsbild: Katholischer
Chor und Trennwand, protestantischer Teil im Westen mit
westlichen Jochen des Pfarrchors, Triumpfbogen und Langhaus.
1949 wurde die "Kaiserglocke", die mit insgesamt 17,5 t als die größte
Gußstahl- Glocke der Welt bezeichnet wird und nur viermal im Jahr "geläutet"
wird (ansonsten wird sie nur "angeschlagen"), sowie die Kurfürstglocke mit einem
Gesamtgewicht von 9,14 t im Nordturm untergebracht. Hinzu kommen fünf kleinere
"Schwestern" im Südturm.