Der katholische Teil ist vom Kartoffelmarkt aus zugänglich. Rechts
vom Eingang sieht man einen sogenannten Utlug, ein schräges
Lugfenster, aus dem man genau in die Richtung schauen konnte, aus der
die Stiftsherren zur Kirche kamen. Bereits wenn sie in der Gasse
sichtbar waren galten sie als pünktlich und präsent.
(In Mainz gibt es noch eine Präsenzgasse, deren Namen auf diese
Regel zurückzuführen ist.)
Die Tür wurde erst nach der Trennung der Kirche in einen
katholischen und einen protestantischen Teil eingebaut. Früher
gehörte dieser Eingangsbereich zur Sakristei, über der sich
auch der Kapitelsaal befindet, zugänglich über einen auch
von außen markanten Treppenturm mit Steinhelm. Die Tür zum
Inneren der Kirche war der Zugang aus der Sakristei in den
sogenannten Lettner, einer halbhohen Wand mit Bühne, auf der
sich das Lesepult befand und die den, nur der Geistlichkeit
vorbehaltenen, Stiftschor vom Pfarrchor trennte. Leider sieht man
nur noch den Ansatz an der Wand, der mit Sicherheit ehedem
prachtvolle Lettner ist nicht mehr erhalten.
Im Eingangsbereich befindet sich die Lavabo-Nische zum Waschen der
Hände, daneben Regale für die Meßbücher.
Der Stiftschor wird durch einen sogenannten Triumphbogen vom Pfarrchor
getrennt und ist architektonisch schon sichtbar reicher gestaltet als
der einfacher gehaltene Pfarrchor und das Langhaus, entsprechend der
Bedeutungshierarchie der Räume.
Das mehrfach profilierte Kreuzrippengewölbe steigt aus
Runddiensten mit Laubwerkkapitellen empor, wobei die Dienste
ihrerseits aus Baldachinen aufwachsen, die durch Blendmaßwerk
und Strebepfeiler miniaturartige gotische Architekturen
vorstellen. Das Gewölbe im Pfarrchor ist, aus Faltkonsolen
aufsteigend, einfacher geführt.
Das ursprüngliche Statuenprogramm ist leider nicht mehr
erhalten, die jetzigen Figuren kamen erst später
dazu. Beachtenswert sind die Konsolplastiken von Tieren und
Blattmasken an den Zugängen zur Seitenkapelle. An den
Seitenwänden sind die Konsolen abgekragt, da sich darunter
das Gestühl der Stiftsherren befand.
Die Machtposition der Bauherren zeigt sich in der Helmzier der
pfälzischen Wittelsbacher im Schlußstein direkt über
dem Altar und dem kurpfälzischen Wappenschild im folgenden
Joch.
Auch die Größe der Stifterpaare in den Kappen des
Chorgewölbes heben deutlich den Sinn des Chores als
Seelenheilstiftung der frühen pfälzischen Wittelsbacher
hervor. Auf der Nordseite sieht man Kurfürst Ruprecht III.
(König Ruprecht I. 1400 - 1410) und seine Gemahlin Elisabeth
von Hohenzollern, auf der anderen Seite Ludwig III., seinen Sohn
und Nachfolger (1410 - 1436) und dessen Gemahlin Blanca von England,
die 1409 als letzte der Wittelsbacher hier in der Stiftskirche
beerdigt wurde.
In der Mitte sitzt Christus, der Weltenrichter in der Mandorla, auf
dem Regenbogen, mit Lilie und Schwert im Mund, darunter zwei
Auferstehende, einer selig die Arme zu Christus erhebend, der andere
als Verdammter mit Verzweiflungsgebärde. (Lilie und Schwert
sind die "Arma Christi", die Waffen Christi.) Dazu gehört noch
jeweils ein Engel mit Fanfare (weltlicher als Posaune) mit Fahnen,
auf denen die Leidenswerkzeuge dargestellt sind (Dornenkrone,
Schwamm und Lanze/ rechts Kreuz, Leiter und Geiselsäule). Als
Fürbitter knien Maria und Johannes der Täufer und
komplettieren die sogenannte Deesis-Darstellung.
Die Malereien gab Ludwig III. in Auftrag, sodaß die
Ausmalung im frühen 15. Jh. erfolgte, wahrscheinlich kurz nach
1410, dem Todesjahr seines Vaters. Sie sind im sogenannten
"Weichen Stil", wie von 1380 - 1420 üblich, gestaltet (auch
in Mainz in der Karmelitenkirche zu sehen).
Auch noch erhalten aus der damaligen Zeit ist ein Gemälde an der
Südwand der Chorkapelle mit der Weltgerichtsthematik, dem
sogenannten Gnadenstuhl: Gottvater thronend, vor sich seinen Sohn
am Kreuz und der einschwebenden Taube des Hl. Geistes, Maria und
Johannes der Täufer zur Seite kniend.
Ebenso wichtig wie die Ausmalung des Innenraumes, war für die
mittelalterliche Kirche auch die Gestaltung der Fenster. Einer der
wenigen Reste mittelalterlicher Glasmalerei in der Pfalz ist das
Ostfenster des Chores, das die Auferstehung Christi zeigt und sich
im Historischen Museum der Pfalz in Speyer befindet. Die jetzigen
Fenster sind, ebenso wie die Alabasterfiguren, eine Stiftung des
Hauses Wittelsbach von 1905.
Bemerkenswert ist noch der dritte Schlußstein im Gewölbe,
der sich im Laub verbergende Adamskopf, ikonographisch der Anruf
Gottes beim Betreten des Chores: Adam, wo bist Du?, Mensch, wo bist
Du?, wie in Bettelordenschören oft vorhanden.
Unter der Empore des kath. Teils befinden sich die sowohl historisch,
als auch kunsthistorisch bedeutsamen Grabplatten der pfälzischen
Wittelsbacher, insbesondere wertvoll dadurch, daß die
Grabplatten der pfalzgräflichen Familie in Schönau und
Heidelberg mit einer Ausnahme zerstört wurden.
Die beiden Grabplatten an der rechten und linken Seitenwand von
Kurfürst Rudolf II. und Kurfürstin Margaretha von
Sizilien-Aragon sind Deckplatten nicht mehr erhaltener kastenartiger
Grabtumben. Sie sind aus der sogenannten Parlerzeit ( Wirken und
Einfluß der berühmten Steinmetzfamilie Parler - Veitsdom
in Prag, Freiburger Münster), Ende des 14. Jh. im Weichen Stil
gearbeitet und wurden nach dem Tod der Kurfürstin 1377
angefertigt.
Die Figuren im Hochrelief werden von einer gotischen Zierarchitektur
gerahmt, die übereck gestellten, mit Blendmaßwerk
geschmückten Pfeiler gehen in einen Kielbogen über,
bekrönt von einer Kreuzblume. Die Kurfürstin ist modisch
gekleidet, trägt enge Ärmel mit perlstabbesetzter Naht
und eine Kräuselhaube mit einer Krone aus stilisierten
Blättern. Sie ist betend auf einem Kissen liegend dargestellt,
gleichzeitig aber auch stehend mit dem Hund als Symbol für
eheliche Treue. (Die auch vorhandene Eidechse symbolisiert
Klugheit.)
Die Grabplatte des Kurfürsten ist leider stark zerstört;
er steht mit Schild, Kettenhemd und Lender auf einem Löwen,
dem Symbol der Macht, der Kopf ruht auf einer Löwin. Beide
Grabplatten waren bei dem Bau der Trennmauer als Füllmaterial
verwendet worden. Mitte des 19. Jh. wurden sie entdeckt und seit
1906 hier aufgestellt.
In der Mitte befinden sich die sehr großen Grabplatten von
Ruprecht I. (gest. 1390) und seiner Gemahlin Beatrix von Berg
(gest. 1395), die ursprünglich vor dem Chor lagen und deshalb
stark abgetreten sind. Die Buchstaben auf dem breiten Inschriftband
waren ehedem mit Messing gefüllt.
Die beiden anderen Grabplatten sind zum einen die des Viztums Hans von
Venningen (gest. 1444), von 1422 - 1444 oberster Beamter der
Kurfürsten in der Neustadter Amtsverwaltung, der sich wohl auch
um die Innenausmalung der Kirche Verdienste erwarb (sein Wappen ist
in der Vorhalle in einem Schlußstein zu sehen), zum anderen
die eines Rittmeisters Hansjerg Rodi (gest. 1632), über den
nichts Näheres bekannt ist, der wohl aber ein Offizier der
Kompanie zu Pferde war, die Neustadt während des
30-jährigen Krieges in den Jahren 1632/33 besaß.