Cannabis – Zwischen Verteufelung und Verherrlichung

 

In der Debatte um die Legalisierung von Cannabis scheiden sich die Geister. Die Befürworter des freien Verkaufs sehen darin eine langersehnte Entkriminalisierung der Rauschpflanze und ihre Gleichstellung mit anderen weichen Drogen wie Alkohol und Zigaretten. Manche ärztliche Studie weist sogar positive Auswirkungen des Cannabiskonsums auf den Gesundheitszustand von Schwerkranken nach. Doch die Gegner der Legalisierung befürchten, dass sich nach der Legalisierung immer mehr Menschen Zugang zum Rauschgift verschaffen und in ihrem Drogenkonsum bestärkt fühlen könnten. Cannabis wird als Genussmittel, Medizin und Rohstoff genutzt. Für die berauschende Wirkung sorgt die in den Blüten der weiblichen Hanfpflanze enthaltene Substanz Tetrahydrocannabinol (THC). Als Marihuana werden die Trockenblüten der Hanfpflanze bezeichnet.

 

Cannabis

Etwa 400 Menschen in Deutschland besitzen eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zum Erwerb des THC-haltigen Hanfs. Dieser wird wegen seiner schmerzlindernden und entzündungshemmenden Substanzen bei unterschiedlichen Krankheiten als Medizin vom Arzt verordnet. Doch Hanf wird von deutlich mehr Menschen konsumiert und meist auf dem intransparenten Schwarzmarkt erworben. Dabei sind gefährliche Substanzen wie Glasstaub hier nicht auszuschließen. Auf eine Initiative der Berliner Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann sollen deshalb an vier Abgabestellen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg monatlich 60 Gramm des Pflanzenstoffes Marihuana an volljährige Bezirkseinwohner legal verkäuflich sein. Damit soll der illegale Cannabismarkt besser reguliert werden. Ein regulierter Verkauf von Cannabis bedeute, die "Kontrolle über den vollkommen freien Drogenverkauf zurück zu erlangen", sagte Herrmann bei der Unterzeichnung des Antrags an das BfArM im Juni 2015. In dem Berliner Bezirk, insbesondere rund um den Görlitzer Park, grassiert in den letzten Jahren eine Drogenkriminalität, wie kaum irgend sonst in Deutschland. Hier sollen sogenannte Coffeeshops entstehen. Um ein sicheres Produkt zu erhalten, züchten viele Cannabiskonsumenten ihre Hanfpflanzen lieber selbst. Die Samen dafür erhält man bei legalen Online-Anbietern wie High-Supplies, die es den Käufern freilich nicht vorschreiben (können), was diese damit Legales oder Illegales anfangen. Fakt ist: Professionelle Samenshops im Internet ermöglichen einen diskreten Erwerb und hohe Qualität von Hanfsamen. Kritiker der Legalisierung von Cannabis sehen in den Produkten der Pflanze eine gefährliche Einstiegsdroge, die Psychosen in Form von Schizophrenie auslösen kann. Vor allem Jugendliche, deren Körper sich noch in der Entwicklung befinden, könnten durch den Cannabiskonsum Schaden nehmen. Apathie, Sucht und gesellschaftlicher Abstieg sind oft die Folgen. Mit dem streng regulierten Cannabis-Verkauf in Coffeeshops könnte man möglicherweise jedoch auch den Spagat zwischen Jugend- und Verbraucherschutz besser bewerkstelligen.

 

12. August 2015     >> Zurück zum Archiv

 

Bildrechte: Flickr Cannabis bonsai plant - Naberacka CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten