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Chia, die grüne Alternative oder schlimmer als Bitcoin?

24. Juni 2021

 

Der Bitcoin ist gelinde gesagt umweltschädlich. Alleine sein Energiehunger ist ein große Problem. Zwar gibt es viele Vorstöße in die richtige Richtung und mittlerweile hat sich selbst der berühmteste Bitcoin-Kurzzeit-Gegner Elon Musk dazu durchgerungen lieber etwas FÜR den Bitcoin zu tun als dagegen, aber dennoch ist die Umweltbilanz der beliebtesten Kryptowährung der Welt nicht besser geworden.

 

Einige Schritte in die Richtung sind bereits getan, diese kratzen zwar nur an der Oberfläche sind aber durchaus ein Anfang. Während in den USA ein riesiger Solarpark für den Bitcoin entstehen soll, arbeitet El Salvador ausschließlich mit Geothermie Kraft und auch China hat sich entschlossen vor allem in Kohlestromgebieten Miningfarmen zur Not mit staatlicher Gewalt zu schließen. Gut für die Umwelt ist das auf jeden Fall, denn vor kurzem noch plante China den Bau massiver neuer Kohlekraftwerke. Alleine 2019 hat China noch mehr als die Hälfte des weltweiten Kohlestroms alleine genutzt (Quelle: Statista).

 

Während aber klassische Kryptowährungen nicht klein zu kriegen sind, versuchen sich auch immer neue Währungen am Markt. Hierbei hat vor allem die Währung Chia in den letzten Monaten für viel aufsehen gesorgt. Mit einem komplett neuen Konzept will man gegen den Energiehunger des Bitcoin vorgehen und eine eigene Währung an den Markt bringen, die statt mit Rechenpower mit Speicherplatz arbeitet. Während der Bitcoin Markt mit immer neuen Strategien aufwarten kann, zuletzt sind KI unterstützte Handelsplattformen wie Crypto Engine in Mode gekommen, versucht Chia ein komplett neues Konzept einzuführen. Die neue Kryptowährung ist derzeit noch an keiner Börse notiert, kann aber bereits gemined und überwiesen werden. Die Handelsaktivitäten sind also bereits in vollem Gange.

 

Solid-State-Drive

SSD - Solid-State-Drive – Pixabay - Public Domain Bilder / Creative Commons CC0 (CC0 1.0)

 

Der große Unterschied zwischen Chia und Bitcoin ist die Verarbeitungsmethode. Während beim Bitcoin die sogenannte Proof of Work Methode eingesetzt wird, bei der lange Ver- und Entschlüsselungsaufgaben durchgeführt werden, setzt Chia auf Proof of Space. Hierbei werden große Datenmengen verschoben und der Nachweis einer gültigen Transaktion erfolgt mittels Chia Plots, 100 GB großen Datenblöcken. Der Vorteil hier: Eine Festplatte benötigt in der Regel maximal 15 Watt, selbst große 10-15 TB Festplatten brauchen kaum mehr Strom. Eine brauchbare Mining Grafikkarte kommt da schon auf 250-350 Watt Stromverbrauch. Der Unterschied ist gewaltig zumal sich mit einer einzelnen Karte auch kaum etwas verdienen lässt.

 

Da bietet sich Chia förmlich an. Im direkten Vergleich mit einer 250 Watt Grafikkarte könnte man auch 62 Western Digital Red Festplatten mit einer Kapazität von 12 TB betreiben (Laut Hersteller 4 Watt Stromverbrauch) und würde mit Chia ca. 2300 US-Dollar im Monat verdienen. Eine entsprechende Grafikkarte würde dabei auf ca. 120 US-Dollar kommen (Quelle: Nicehash Rechner für eine RTX 2080ti). Das wäre durchaus interessant, nur gibt es einigen Haken an der Sache…

 

Eine RTX 2080ti hält beim Cryptomining einige Jahre durch, bevor sie kaputt geht, die Western Digital Red sind laut Hersteller auf 1 Mio. Stunden Betriebszeit ausgelegt bei maximal 180 TB/Jahr Durchsatz. Die etwa 114 Jahre Lebensdauer der Festplatte wird massiv herabgesetzt, wenn man bedenkt, dass die 180 TB an jährlichem Datendurchsatz vermutlich schon nach 2 Wochen erreicht sein dürften, zumal man täglich neue Chia Plots erstellen muss, damit man höhere Chancen hat. Derweil kosten die Festplatten in der Anschaffung auch mal eben schlappe 30.000 € die man erstmal wieder reinholen muss.

 

Dazu muss man natürlich die Hauptarbeit, also das Plotten über SSD Speicher laufen lassen, um die Plots überhaupt in einer adäquaten Geschwindigkeit auf die Festplatten hieven zu können. Hierbei hängt es stark davon ab, wie schnell der eigentliche Rechner arbeiten kann. Hier kann man natürlich auf mehrere Mainboards zurückgreifen und somit mehrere einzelne Systeme aufbauen mit einzelnen SSD´s um schneller arbeiten zu können. Hier kommt dann aber wieder die extrem begrenzte Lebensdauer einer SSD zum tragen. Während eine SSD bei einem Gamer oder im Office Betrieb locker im Bereich von 6 bis 12 Jahren halten kann, ist sie bei der Belastung durch Chia innerhalb von 4 Wochen kaputt. Standard 500 GB SSDs sind nach diesem Zeitraum abgenutzt. Größere SSDs halten hier etwas länger durch, müssen aber dennoch ständig ausgetauscht werden. Hierdurch entstehen neue laufende Kosten.

 

Die Frage in welchem Umfang diese wiederkehrenden Hardwarekäufe neue Kosten verursachen und die Frage, wie umweltfreundlich die massive Erhöhung der Produktionskapazitäten für SSD Festspeicher sein wird, ist noch nicht wirklich abzusehen. Hier stellt sich die Frage, wieviel uns das am Ende noch an laufenden Kosten verursachen wird. Dazu kommt, dass das Chia Netzwerk ständig weiter wächst und das exponentiell, sprich die Gewinne werden mit der Zeit stark zurückgehen und auch die Anforderungen immer weiter steigen. Die Zeit wird zeigen müssen, wieviel Chia wirklich auf Dauer leisten kann.

 

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