Lastenrad statt Zweitwagen: wie deutsche Städte den Cargobike-Boom vorantreiben
3. Juni 2026
In deutschen Großstädten wendet sich die Logik der kurzen Wege. Familien bringen die Kinder zur Kita, transportieren Wocheneinkäufe und holen Sportgepäck mit dem Lastenrad statt mit dem Auto. Handwerksbetriebe stellen ihre Servicefahrten auf elektrisch unterstützte Cargobikes um, Lieferdienste setzen sie auf der letzten Meile ein. Dieser Entwicklung ist nicht nur an vollen Radwegen, sondern auch an belastbaren Marktzahlen abzulesen.

Lastenrad Foto von Robert Schwarz auf Unsplash
Der Markt in Zahlen: eine Million Lastenräder auf deutschen Straßen
Laut den ZIV-Marktdaten 2024 wurden im Jahr 2024 in Deutschland 220.500 Lastenräder verkauft. Damit überschritt der kumulierte Bestand erstmals die Millionengrenze. Der Anteil der E-Cargobikes liegt bei rund 84 Prozent, der Brutto-Durchschnittspreis für E-Bikes über alle Modellgruppen hinweg bei 2650 Euro. Der Fachhandel bleibt der wichtigste Vertriebskanal, weil Beratung, Probefahrt und Service bei dieser Investitionssumme entscheidend sind. Wer in Berlin und Umgebung ein Cargobike sucht, wird beim Fachhändler für E-Lastenräder in Berlin und Brandenburg fündig: Acht stationäre Standorte mit Werkstatt und ein Sortiment von Cube über KTM und Kalkhoff bis Bulls.
Eine Verschiebung zeigt sich auch im Modal Split. Nach den Erhebungen des Sinus-Fahrradmonitors werden hierzulande rund 15 Prozent der Kinder im Lastenrad transportiert. Im Wirtschaftsverkehr nehmen E-Cargobikes zunehmend den Transporter im KEP-Segment den Rang ab.
Kommunale Förderung: heterogenes Bild zwischen den Städten
Die Kaufprämien der Kommunen unterscheiden sich stark. Eine stets aktualisierte Übersicht hält der Kaufprämien-Tracker von cargobike.jetzt bereit. München hatte sein Programm „Klimaneutrale Antriebe“ mit Zuschüssen für Lastenpedelecs ursprünglich bis Ende 2025 angekündigt, der Stadtrat beschloss laut Landeshauptstadt München jedoch das vorzeitige Ende zum 2. Juli 2025. Berlin bot zeitweise Förderungen für Lastenräder von bis zu 1.000 Euro an, jedoch ist dieses Programm momentan ausgesetzt. In anderen Städten wie Stuttgart, Freiburg, Dresden und Hamburg bestehen weiterhin kleinere Zuschussmodelle. Auf Bundesebene unterstützt die BAFA weiterhin E-Lastenräder für Unternehmen und Kommunen, Privatpersonen können jedoch keine Anträge stellen.
Bevor ein Antrag gestellt wird, sollten zwei wichtige Punkte beachtet werden. Zum einen muss in den meisten Programmen der Antrag vor der Bestellung eingereicht werden. Zum anderen schreiben viele Kommunen Mindestnutzungsdauern, Mindestpreise oder spezifische technische Standards vor.
Kriterien für den Kauf: Was ein alltagstaugliches Cargobike ausmacht
Ein Lastenrad ist in der Lage, Lasten von 80 bis über 200 Kilogramm zu transportieren, wodurch die technischen Anforderungen im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrrad höher sind. Wichtige Prüfpunkte sind:
- Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen mit mindestens 180 mm Rotordurchmesser
- Rahmen: Nachvollziehbare Belastungsangaben gemäß der DIN EN 17860 für Lastenräder
- Antrieb: Mittelmotor mit einem Drehmoment von mindestens 85 Nm, Akkukapazität ab 500 Wh und bei intensiver Nutzung 750 Wh oder ein Dual-Battery-System
- Reifen: Pannenresistente Modelle mit verstärkter Karkasse
- Bauform: Long John, Long Tail oder Dreirad. Long Johns bieten einen tieferen und kippsicheren Transport, während Long Tails wendiger im urbanen Verkehr sind.
- Garantie: Viele Hersteller gewähren fünf bis zehn Jahre auf den Rahmen und zwei Jahre auf den Akku.
Probefahrten mit verschiedenen Bauformen sind empfehlenswert, da die Kurvenführung eines Long John zunächst ungewohnt erscheinen kann, sich jedoch innerhalb weniger Kilometer trainieren lässt.
Werkstatt und Service als langfristige Überlegungen
Ein Cargobike ist kein Produkt für eine Saison. Wer es täglich nutzt, kann schnell auf 3.000 bis 8.000 Kilometer pro Jahr kommen. Daher sind regelmäßige Wartungsintervalle, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und ein erreichbarer Werkstattdienstleister äußerst wichtig. Händler, die eigene Montage anbieten oder den Status eines Shimano Service Centers oder Bosch eBike Experts haben, können im Falle von Akku-Updates und Garantiefällen die Abwicklung erleichtern. Vor dem Kauf sollte man zudem einen Blick auf das Filialnetz, die Auslastung der Werkstätten in der Hauptsaison und transparente Servicepreise werfen.


